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Deutschland

Prophezeiungen 1

Mühlhiasl (1755-1825)

Die hohen Herren sitzen zusammen und machen Steuern aus. Nachher steht's Volk auf. In der Stadt geht die Gaudi zuerst los. Wenn es angeht, ist einer über dem anderen, raufen tut alles. Wer etwas hat, dem wird es genommen. In jedem Haus ist Krieg. Kein Mensch kann mehr dem anderen helfen. Die reichen und noblen Leute werden umgebracht, wer feine Hände hat, wird totgeschlagen. Der Stadtherr lauft zum Bauern aufs Feld und sagt: Lass mich ackern, aber der Bauer derschlagt ihn mit der Pflugraitel. Die Kleinen werden gross und die Grossen werden klein, aber wenn der Bettelmann aufs Ross kommt, kann ihn der Teufel nicht derreiten. Dann kündigt sich ein Himmelszeichen an. Eins strenger Herr wird noch kommen und den armen Leuten die Haut abziehen. Er wird aber nicht mehr lange regieren

Franz Kugelbeer (1922)

über Nacht kommt eine Revolution der Kommunisten (Linken), verbunden mit den Nationalsozialisten (radikale Rechte), der Sturm über Klöster und Geistliche. Die Menschen wollen es zuerst nicht glauben, so überraschend fällt es ein ... Viele werden eingekerkert und hingerichtet. Alles flieht in die Berge, der Pfänder ist ganz voll von Menschen. Wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt der Umsturz von Russland her, zuerst nach Deutschland, darauf nach Frankreich, Italien und England.Allerorts ist Aufruhr und Zerstörung. Es ist an einem Orte eine lange, breite, von Soldaten umsäumte Strasse, darin jung und alt, Frauen, Kinder und Greise. Am Strassenrande steht eine Köpfmaschine, die der Oberhenker durch einen Druckknopf in Betrieb setzt, zu beiden Seiten von je zwei Henkern unterstützt. All diese Menschen werden enthauptet. Es fliesst soviel Blut, dass die Köpfmaschine zwei- bis dreimal versetzt werden muss.

Anton Johansson

hat die Revolution in Deutschland gesehen:Er sagt, dass das Land unter revolutionären Unruhen zu leiden haben wird. Und zwar soll sich dies sowohl zu Beginn des Dritten Weltkrieges, als auch später noch am schlimmsten im Südwesten abspielen.

Katharina aus dem ötztal (1883-1951)

Es kommt noch einmal Krieg. Ein dritter Weltkrieg! Anfangen tut es langsam. Zuerst werden die jungen Buben mit komischen Autos abgeholt. Sie singen und jauchzen noch zum Tal hinaus. Aber dann kommt eine harte Zeit. Daheim und für die Feldarbeit sind nur noch ältere Menschen und Weiberleut verfügbar. Die Not wird gross und grösser. Und man sagt zueinander:Es kann nicht mehr gehen, es geht nimmer, und es geht doch noch weiter. Es geht viel länger abwärts, als die Leute zuerst meinten. Dann plötzlich brichts (Revolution). Die Leute sind auf dem Feld, es ist Spätsommer, das Korn schon reif, da kommen sie, ganze Horden schiacher Leute, und überfallen alles. Sie bringen um, was sie erwischen - es ist furchtbar! Die Haustüren werden eingeschlagen und alles kaputt gemacht. Sie morden und rauben, und sogar Einheimische aus dem Dorf laufen mit jenen und plündern genauso. Kinder, ihr müsst auf den Berg fliehen. Dort müsst ihr euch vorher etwas zum essen verstecken und etwas zum schlafen herrichten. Auf den Berg gehen diese plundernden Horden nicht hinauf! Springt ja nicht ins Dorf. Es geht auch hauptsächlich um den Glauben. Es gibt nur mehr zwei Parteien: Für den Herrgott und gegen den Herrgott! Die Verfolger der Kirche haben eine Zeitlang eine grosse Macht. Aber diese kurze Zeit dürft ihr im Glauben nicht umfallen. Ihr müsst stark bleiben, auch wenn es euch das Leben kostet, denn die Gottlosen werden zum Schluss vom Herrgott furchtbar gestraft. Die Glocken wollen sie noch von den Türmen holen, um sie einzuschmelzen, aber sie kommen nicht mehr dazu, es geht zu schnell. Ich sehe irgendwo eine Kirche, gesteckt voll betender Leute, plötzlich kommen diese schiachn Leute in roten Fetzen und sperren die Kirchentüren zu, und bringen die in der Kirche alle um. Es kommt eine schreckliche Zeit: Ich sehe die Weiberleute alle in schwarz und am Friedhof Haufen an Haufen. Alte Männer werden am Kirchplatz von einem alten Pfarrer mit dem Allerheiligsten gesegnet, und sie gehen zu Fuss zum Tal hinaus und kämpfen draussen, gar nicht weit weg, nur mit Messer und einfachen Waffen, Mann gegen Mann. Sie haben nur Socken an, statt Schuhe, so gross ist die Not. Vom hinteren ötztal werden Verwundete auf Leiterwägen herausgebracht.


Benhard Bouvier

Vor dem Umsturz in Italien und Frankreich scheint eine weltweite Wirtschaftskatastrophe zu kommen, warscheinlich verbunden mit einem weltweiten Bankencrash, gegenüber dem der Börsencrash von 1929 als ein ganz harmloses Vorgeplänkel erscheint. Dem Krieg voraus gehen wird offenbar eine allgemeine Not und Armut, auf die, die ganze Welt überhaupt nicht vorbereitet ist. Um den Zusammenbruch unseres Währungssystems vorauszusagen, ist es schon heute nicht nötig, Finanzexperte zu sein. Zu hoch ist bereits die Verschuldung der Dritten Welt, zu hoch auch die Inflationsrate in vielen Ländern, als dass jemand annehmen könnte, die Situation wäre noch in den Griff zu bekommen. Dem Staatsbankrott fast der gesamten Welt folgt der Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung. Aber eine gewisse Zeit hält der Frieden noch. Angesichts des trostlosen Zustandes im Westen scheint der russische Wolf jedoch den Zeitpunkt für günstig zu halten, sich das Problem Westeuropa ein für allemal vom Hals zu schaffen. Ausserdem hat offensichtlich der Kapitalismus versagt, wenigstens in den Augen breiter Schichten der Bevölkerung.


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